KUSH – KARISMA / REVIEW Aightgenossen.ch

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Kush ist der Kopf aus Basel, der etwas anders tickt. Seit dem Freemixtape „Kush & Jake“ ist schon einige Zeit vergangen, aber was lange währt, wird endlich gut und so wurde mit „Karisma“ ein rundum gelungenes Werk geschaffen, welches sicher zu den besseren Releases im schweizer Rapgeschehen gehört.

„Alles in allem bezeichnet mich die Gsellschaft als Störfaktor. Scheiss drauf, ich bin Täter, Opfer, ich bin rastlos.“ – Mit diesen Worten beginnt der Kurzfilm „Störfaktor“, der dem Album als Extra beiliegt. Sie könnten auch auf den Künstler Kush bezogen sein. Auf den 19 Tracks (plus einige Bonus und Hiddentracks) auf „Karisma“ kommt in keiner Sekunde das Gefühl auf, die Zeilen seien nicht authentisch: Kush schafft mit seiner eindringlichen Stimme und vor allem mit seiner Sprache, dass man das Gefühl bekommt, er habe alles genau so erlebt, wie er es erzählt. Trotzdem musste ich als Zürcher manchmal zweimal überlegen, wenn ich bei Titel wie „Liegegeschichte“ an eine Bettstory dachte oder ich mich zu erst einmal per Google weiterbilden musste, als es im Intro hiess, dass man Kush in Basel treffe „wie Kapulica Grüschtbau“. Aber genug der humoristischen Seite des Dialekts, dieses Album ist zu gut, als dass man weiter darauf eingehen sollte.

Kush bemerkt auf dem beiliegenden Interview, dass er sicher nicht der beste Rapper sei, aber der vielfältigste, was er auf diesem Album eindeutig zu beweisen versucht. Ob er seinen Lebenslauf erzählt („Läbenswäg“), unsere Generation kritisiert („Generation Millenium“), eine Story aus seinem Leben erzählt („Zuefluchtsort“) oder singt („es kunnt uf di zrugg“), Kush zeigt seine Vielseitigkeit auf jedem neuen Track. Wo anderen Rapper aber bei so viel Vielseitigkeit der rote Faden abhanden kommt, schafft es Kush bis zum Schluss diesen zu bewahren. Das liegt zum einen sicher am einheitlichen und trotzdem abwechslungsreichen Soundteppich, der grösstenteils von Jakebeatz produziert wurde, zum anderen aber auch an diesem Karismagedanken, der sich wie ein Konzept durch das ganze Album zieht, aber nie erzwungen wirkt, weil man das Gefühl hat, Kush meine es ernst damit.
Wenn zum Beispiel „Clubsound“ erklingt und man nach einigen Zeilen schon weiterskippen will, weil man solche Partysongs doch schon zu genüge gehört hat, wird man Lügen gestraft, denn es ändert sich der Beat und Kush macht auf die Auswirkungen von zu viel Alkohol aufmerksam. Das ist Karisma: Alles kommt zurück, vor allem bei übermässigem Alkoholkonsum.

Der Kurzfilm endet mit den Worten: „Grossi Hürde chan mer nur nä, wänn mer sich konzentriert. Konzentriert ufs wesentliche.“ – Kush ist dies eindeutig gelungen. Es scheint als habe er mit der Musik einen Weg gefunden, seine Frustration über die Welt in etwas Gutes umzuwandeln, etwas Wesentliches. Das klingt vielleicht etwas pathetisch, aber selten wurde auf einem Album dieser Grundgedanke von Hip-Hop – negative Erfahrungen in etwas Positives umzuwandeln – so sehr gelebt wie in diesem Fall. Dieses Album wird auf jeden Fall noch öfters durchgehört und zwar als Ganzes.

Autor: läckdumir! || Artikel erstellt: 28.03.2011 || Artikel geändert: 28.03.2011

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~ von K.W.A.T - 29. März 2011.

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